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Richtig gendern: 5 Arten für alle Fälle

Richtig gendern: 5 Arten mit Vor- und Nachteilen

Richtig gendern: Wie geht das? In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 verschiedene Arten, deine Kund*innen geschlechtergerecht anzusprechen. Und du erfährst, warum keine davon „die richtige“ ist!

Inhalt:

Vielfalt. Gleichberechtigung. Chancengleichheit. Woran denkst du bei diesen Begriffen als erstes? Viele denken an Frauenrechte, an Geschlechtergerechtigkeit und -ungerechtigkeit, die „gläserne Decke“ oder den Gender Pay Gap. Klar: Die Dimension Geschlecht ist uns allen am nächsten. Schließlich hat jede*r schon einmal mit Personen eines anderen Geschlechts Kontakt gehabt. Mindestens mit Männern oder Frauen. Bei vielen anderen Dimensionen von Diversity ist das nicht so. Manch eine*r kennt einfach keine Menschen mit Behinderungen, aus anderen Kulturkreisen oder welche, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. Deshalb beginnen die meisten Unternehmen mit dem Thema Geschlecht, wenn sie Diversity Management implementieren wollen. Geschlechtergerechte Sprache ist ein erster Schritt!

Du hast keine Ahnung, von welchen Dimensionen ich hier rede? Abonniere einfach meinen Newsletter und lass dich regelmäßig über Vielfalt wertschätzendes und inklusives Marketing informieren! Zum Einstieg schenke ich dir mein E-Book „Kleine Einführung ins Diversity Marketing“ – darin erkläre ich dir auch die 6 Dimensionen von Vielfalt. Danach erwarten dich etwa alle zwei Wochen hilfreiche Tipps, konkrete Handlungsempfehlungen und übersichtliche Spickzettel. Diese Woche: Ein Cheat Sheet inklusive erster Handlungsideen zum Thema „Richtig gendern“.

M/W/D – Das „dritte Geschlecht“ macht Gendern unverzichtbar

In einem der nächsten Beiträge werde ich dir noch eine ausführliche Einführung in die Diversity-Dimension Geschlecht liefern. Aber jetzt möchte ich dir erstmal etwas Praktisches an die Hand geben. Denn spätestens seit der Einführung des „dritten Geschlechts“ in Deutschland müssen sich eigentlich alle Unternehmer*innen die Frage nach einer geschlechtergerechten Sprache stellen. Wie spreche ich die Menschen an, die sich in die neue Kategorie „divers“ einordnen? In Deutschland, wo es kein Wort gibt, das für alle Geschlechter gleichermaßen gültig ist? Ja, wie zum Geier gendere ich denn nun richtig?!

Viele Menschen haben sich darüber schon Gedanken gemacht. Experten und Aktivistinnen, Feministen und Gegner*innen… Wer sich als Laie durch die vielen verschiedenen Meinungen und teilweise hitzigen Diskussionen wühlt, kommt schnell ins Straucheln. Besser, ich beschäftige mich gar nicht erst damit, denken viele dann. Lass mich dir meinen Arm anbieten – ich begleite dich durch den „Genderwahnsinn“ und helfe dir, den Überblick zu behalten.

Definition: Was ist dieses Gender eigentlich?

Bevor ich dir gleich einige Methoden zu gendern vorstelle, möchte ich mit dir kurz ein paar wichtige Begriffe klären. Los geht’s:

  • Gender: Im Deutschen gibt es nur das eine Wort: Geschlecht. Die englische Sprache unterscheidet hingegen sex und gender – das biologische und das soziale Geschlecht. Geschlechterforscher, die sich mit der Gendertheorie beschäftigen, gehen davon aus, dass es weit mehr als nur zwei soziale Geschlechter gibt. Mit intergeschlechtlichen Menschen übrigens auch mehr als zwei biologische! Es stellt sich also nicht nur die Frage, wie wir Männer und Frauen gleichberechtigt ansprechen. Wir müssen uns auch mit Inter- und Transpersonen beschäftigen. Und mit Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau fühlen – sie bewegen sich außerhalb des binären Geschlechtersystems.
  • Divers – das „dritte“ Geschlecht: Sicher hast auch du Ende 2018 in allen möglichen Medien vom sogenannten „dritten Geschlecht“ gehört und gelesen. Das ist etwas unglücklich ausgedrückt: Es geht hier nicht um ein Geschlecht, das im Januar 2019 mal eben neu eingeführt worden ist. Intersexuelle Menschen können jetzt in offiziellen Dokumenten „divers“ anstelle von „männlich“ oder „weiblich“ eintragen lassen. Damit gibt die Person nicht an, welchem Geschlecht sie sich speziell zugehörig fühlt. Leider gilt das Gesetz noch nicht für Transgender-Personen und alle, die sich irgendwo zwischen Mann und Frau oder ganz außerhalb des binären Geschlechtersystems einordnen würden.
  • Binäres Geschlechtersystem: Na, das ist jetzt einfach! Binär ist das Geschlechtersystem, das den meisten von uns am vertrautesten ist. Es besteht aus zwei klar voneinander abgegrenzten Geschlechtsidentitäten: Mann und Frau. Wir könnten dieses System aber auch als Spektrum verstehen – dann gäbe es zwischen den Extremen Mann und Frau noch viele weitere Abstufungen. Vielen Menschen reicht es, sich in dieses Spektrum einzuordnen. Für andere passt es wiederum nicht so gut. Sie identifizieren sich weder als Mann noch als Frau und sehen sich auch nicht irgendwo dazwischen. Diese Menschen bezeichnen sich als „nonbinary“. Sie bewegen sich also außerhalb des binären Geschlechtersystems. Was sie dann sind? Viele sagen, sie seien in erster Linie Mensch.

Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Geschlechtsidentitäten aufzuzählen, die es so gibt. Aber hier sind zwei Seiten, auf denen du dich später bei Interesse informieren kannst:

5 Arten zu gendern

Jetzt geht es aber richtig los mit dem Gendern. Nachdem du einen Eindruck von den verschiedenen Geschlechtsidentitäten bekommen hast, erfährst du nun, wie du sie am besten ansprichst. Einige gendersensible Schreibweisen hast du sicher schonmal irgendwo gesehen. Zum Beispiel:

  • Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, …
  • An alle Studierenden: …
  • Liebe KundInnen, …
  • Hallo Superheld*in, …
  • Liebe Freund_innen …

Diese und noch ein paar weniger bekannte Arten zu gendern stelle ich dir jetzt etwas näher vor. Mit Vorteilen, Nachteilen und Anwendungsbeispielen.

Richtig gendern: 5 Arten für alle Fälle
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1. Paarform

Der Klassiker unter den geschlechtersensiblen Schreibweisen nennt die männliche und die weibliche Form in einem Atemzug. Meistens bekommt die weibliche Form den Vortritt. Hier einige Beispiele:

  • Liebe Kundinnen und Kunden, herzlich willkommen auf unserer neuen Website!
  • Fragen Sie einen Arzt oder eine Ärztin.
  • Auf Wunsch berät Sie eine unserer Mitarbeiterinnen oder einer unserer Mitarbeiter.

Du merkst vielleicht schon, dass die Paarform ziemlich lange dauern kann. Vor allem im letzten Beispiel bauscht sie den Satz ganz schön auf. Zudem verursacht die Doppelnennung Wortwiederholungen. Die sollten in einem guten Text aber nicht zu häufig vorkommen.

Ja, die Paarform stellt die beiden Geschlechter Mann und Frau gleich. Was allerdings fehlt, sind die Zwischenformen und anderen Geschlechter. Trotzdem eignet sich diese Art zu gendern in vielen Fällen. Sie ist nämlich verständlich für alle, auch für Leser*innen, die noch nie etwas von anderen Gender-Varianten gehört haben. Und sie ist für die Schreibenden leicht anzuwenden. Du wirst noch sehen, dass andere Formen manch grammatikalische Hürde mit sich bringen.

Die Paarform passt zu konservativen und älteren Zielgruppen besser als beispielsweise das Gender-Sternchen („Leser*innen“). Damit können sie sich meist noch nicht anfreunden. Aber lieber die Paarform als nur die männliche, oder? In kleinen Schritten verändert sich die Welt.

2. Binnen-I und Schrägstrich

Zwei Formen, die so langsam aus der Mode kommen, sind das Binnen-I und der Schrägstrich. Deshalb fasse ich sie auch in einem Punkt zusammen. Sicher sind dir diese oder ähnliche Formulierungen in der Vergangenheit schon einmal untergekommen:

  • Ich helfe dir, deine Kund/innen inklusiv und Vielfalt wertschätzend anzusprechen.
  • Vor Kurzem habe ich meinen FollowerInnen auf Facebook und Instagram gezeigt, wie sie dort Alternativtexte hinzufügen können.
  • Der/die Mitarbeiter/in am Counter hilft Ihnen gerne weiter.
  • Du suchst eineN motivierteN TexterIN?

Hier wird es kompliziert – spätestens, wenn du nicht mehr eine Gruppe ansprechen möchtest („Liebe KundInnen, …“), sondern einzelne Personen („Du bist der/die Superheld/in in deinem Freund/innenkreis?“). Vom großen I geht außerdem eine Verwechslungsgefahr mit dem kleinen l aus. Und grammatikalisch kommst du irgendwann ins Straucheln – zum Beispiel, wenn du „Ärzt/in“ schreibst. Die enthaltene männliche Form lautet dann „Ärzt“ statt „Arzt“ und das ist falsch.

Für diesen Aufwand sind die Vorteile nicht so viel größer als die der Paarform. Der Text wird weniger durch Wortwiederholungen aufgebauscht. Aber immer noch widmet sich diese Art des Genderns nur Männern und Frauen.

3. Geschlechtsneutral formulieren

Wenn das alles so kompliziert ist, denkst du jetzt vielleicht, spreche ich meine Zielgruppe doch lieber neutral an. Das bedeutet nicht, das generische Maskulinum zu verwenden. Diese Variante erscheint uns als neutrale Form, weil wir sie seit Langem gewohnheitsmäßig verwenden. Aber eigentlich spricht sie nur die Männer an. Beispiele für wirklich neutrale Schreibweisen sind folgende:

  • Interessierte (statt Interessenten)
  • Studierende (statt Studenten)
  • Kundschaft
  • Personal
  • Menschen
  • Leute
  • Liebende
  • Wartende

Toll, oder? Du musst dich nicht festlegen und verärgerst weder konservative Kundschaft noch „Genderwahnsinnige“! Leider funktioniert die neutrale Schreibweise nur bei einigen Worten. Es gibt keine Ärztenden. Und die Ärzteschaft impliziert eigentlich auch schon wieder nur männliche Ärzt*innen. Außerdem wirkt diese Ansprache recht unpersönlich.

4. Mal so, mal so

Mal die weibliche, mal die männliche Form – diese Variante nutze ich gern da, wo andere Arten zu gendern grammatikalisch an ihre Grenzen stoßen. Oder wenn das Gendern einen Text zu sehr aufbauscht. Das passiert bei Aufzählungen oder bei Konstruktionen wie „Der/die Kund/in bittet den/die Mitarbeiter/in um Hilfe“. So geht’s:

  • Bei Instagram kann die Nutzerin ihre Fotos entweder direkt beim Hochladen mit einem Alternativtext versehen oder diesen später hinzufügen. So erfährt auch ihr sehbehinderter Kunde, was auf den Bildern zu sehen ist.
  • So läuft die Behandlung ab: Der Patient sucht seine Hausärztin auf und lässt sich eine Überweisung ausstellen. Anschließend macht er einen Termin bei uns in der Praxis.
  • Alle sind verkleidet: Überall tanzen Hexen und Gespenster, Piratinnen und Räuber, Prinzen und Superheldinnen, Clowns und Comicfiguren.

Du verteilst also Rollen, auch wenn es um keine bestimmte Ärztin und keinen bestimmten Patienten geht. Stell dir vor, du schreibst für deine Kund*innen eine Anleitung, wie sie den Support kontaktieren können. Denk dir ruhig echte Personen aus. Berta Krause ist Kundin und hat ein Problem. Supportmitarbeiter Markus Schmidt kann ihr helfen. Du schreibst auf, wie Frau Krause Herrn Schmidt erreicht, ohne die Namen zu nennen. Bedenke aber, dass du die Rollen nicht beliebig tauschen solltest. Sonst fragen sich die Leser*innen irgendwann, ob noch von derselben Ärztin die Rede ist oder es auch noch einen Arzt gibt.

Der Vorteil der „Mal so, mal so“-Methode? Sie ist einfach anzuwenden, leicht verständlich und kommt ohne grammatikalische Ungereimtheiten aus. Dafür befasst auch sie sich nur mit dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht. Das Abwechseln hebt die Geschlechter zudem einzeln hervor. Während das generische Maskulinum uns neutral erscheint, denken wir bei der femininen Form direkt an ausschließlich weibliche Personen.

5. Mut zur Lücke

Darauf hast du vielleicht schon die ganze Zeit gewartet: den Gender Gap. Bei dieser Art zu gendern lässt du eine Lücke zwischen der männlichen und der weiblichen Form. Sie bietet endlich auch allen Geschlechtern zwischen oder abseits von Mann und Frau einen Platz. Möglich sind verschiedene Schreibweisen:

  • Gendern mit Unterstrich: Kund_innen
  • Gendern mit Sternchen: Kund*innen
  • Gender Gap: Kund innen
  • Gendern mit Doppelpunkt: Kund:innen
  • Gendern mit Punkt: Kund.innen

Hier noch einige Beispielsätze, die die grammatikalischen Regeln verdeutlichen:

  • Seit ich freie Texterin bin, durfte ich mich um die Inhalte verschiedener toller Auftraggeber:innen kümmern.
  • Ein*e Mitarbeiter*in hilft dir gerne weiter.
  • Oft ist der_die Patient_in schon bei vielen verschiedenen Ärzt_innen gewesen.

Die Lücken-Variante ist die einzige, die den Anforderungen der Geschlechtsidentitäten gerecht wird, die nicht männlich oder weiblich sind. Dieser Umstand gleicht die Nachteile aus, die bei der Lücke genauso entstehen wie bei Binnen-I und Schrägstrich: Grammatikalisch ist die Schreibweise mit dem Gender Gap oft falsch. Wenn du Personen in der Einzahl ansprechen möchtest, wird der Text schnell unübersichtlich und schwerer zu lesen. Das ist besonders für Menschen, die gerade erste Deutsch lernen oder eine Lernbehinderung haben, ein Problem.

Das Gendersternchen (Kund*innen) wird gern begründet mit seinen in alle Richtungen zeigenden Zacken. Sie verdeutlichen die zahlreichen Geschlechtsidentitäten, die diese Lücke repräsentiert. Das Sternchen und der Punkt haben jedoch einen gemeinsamen Nachteil für Screenreader-Nutzer*innen. Der Screenreader liest diese beiden Zeichen vor: Kund-Stern-innen bzw. Kund-Punkt-innen. Beim Doppelpunkt macht er eine etwas längere Pause als bei Leerzeichen und Unterstrich.

Der Vorteil des Doppelpunktes: Er ist schlank und lässt eine weniger kleine Lücke als Sternchen und Unterstrich. Das macht den Text leichter lesbar. Das Leerzeichen hat den Nachteil, aus einem zwei Worte zu machen. Am Ende einer Zeile würde das Wort auseinandergerissen. Entscheidest du dich für die Gender-Gap-Variante, empfehle ich dir, den Unterstrich oder den Doppelpunkt zu nutzen.

Warum keine Art zu gendern „die richtige“ ist

Bei den vielen Möglichkeiten fragst du dich jetzt sicher, welche Art zu gendern richtig ist. Und ich sage dir: keine. Wie du siehst, haben alle Varianten Vor- und Nachteile. Rein orthografisch betrachtet sind viele von ihnen falsch. Um eine vollkommen gleichwertige Ansprache aller Geschlechter zu erzielen, müsste man die Regeln der deutschen Sprache verändern. Nur eine weitere grammatikalische Endung für Worte wie Leserin oder Leser würde der Option „divers“ gerecht werden. So lange die nicht existiert, gibt es keine einzig wahre und richtige Art zu gendern. Auch wenn manche Leute sich genau darüber gerne streiten.

Lass dich nicht verunsichern und finde eine gendersensible Sprache, die zu dir und deiner Zielgruppe passt. Würde ich glauben, die richtige Variante zu kennen, hätte ich dir die übrigen Optionen nicht vorgestellt. Sie alle werden in der Praxis verwendet und zeigen, dass die Schreiberin*der Schreiber sich Gedanken macht.

Wie oben bereits erwähnt, verändert sich die Welt in kleinen Schritten. Die jüngeren Generationen etablieren gerade moderne Formen des Genderns. Und irgendwann wird es für uns völlig normal sein, die Art zu gendern anzuwenden, auf die sich dann alle geeinigt haben werden. Aber die offizielle Wahlmöglichkeit zwischen mehr Geschlechtern als Mann und Frau gibt es erst seit Anfang 2019. Wir können nicht erwarten, dass das schon bei allen angekommen ist und überall auf Akzeptanz stößt. Deshalb schau genau, wie deine Zielgruppe tickt. Und wähle eine Art zu gendern, die du mit deinen Werten vereinbaren kannst.

Wie genderst du? Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht? Oder brauchst du Hilfe, die richtige Methode zu finden? Stell mir gern deine Fragen. Und schau auf Instagram vorbei! Dort beantworte ich in einem kleinen Live-Q&A deine Fragen zu gendersensiblen Schreibweisen.

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