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Richtig gendern: 5 Arten für alle Fälle

Richtig gendern: 5 Arten mit Vor- und Nachteilen


Richtig gendern: Wie geht das? In diesem Blogbeitrag zeige ich dir 5 verschiedene Arten, deine Kund:innen geschlechtergerecht anzusprechen. Und du erfährst, warum keine davon „die richtige“ ist!

Inhalt:

Vielfalt. Gleichberechtigung. Chancengleichheit. Woran denkst du bei diesen Begriffen als erstes? Viele denken an Frauenrechte, an Geschlechtergerechtigkeit und -ungerechtigkeit, die „gläserne Decke“ oder den Gender-Pay-Gap. Klar: Die Dimension Geschlecht ist uns allen am nächsten. Schließlich hat jede:r schon einmal mit Personen eines anderen Geschlechts Kontakt gehabt. Mindestens mit Männern oder Frauen. Bei vielen anderen Dimensionen von Diversity ist das nicht so. Manch eine:r kennt einfach keine Menschen mit Behinderungen, aus anderen Kulturkreisen oder welche, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben. Deshalb beginnen die meisten Unternehmen mit dem Thema Geschlecht, wenn sie Diversity-Management implementieren wollen. Geschlechtergerechte Sprache ist ein erster Schritt!

M/W/D – Die Geschlechtsoption „divers“ macht Gendern unverzichtbar

Spätestens seit der Einführung der dritten Geschlechtsoption „divers“ Anfang 2019 in Deutschland müssen wir uns alle die Frage nach einer geschlechtergerechten Sprache stellen – für alle Geschlechter. Aber wie kann das funktionieren? Im Deutschen, wo es kein Wort gibt, das für alle Geschlechter gleichermaßen gültig ist? Ja, wie zum Geier gendere ich denn nun richtig?!

Viele Menschen haben sich darüber schon Gedanken gemacht. Expert:innen und Aktivist:innen, Feminist:innen und Gegner:innen… Wer sich als Laie durch die vielen verschiedenen Meinungen und teilweise hitzigen Diskussionen wühlt, kommt schnell ins Straucheln. Besser, ich beschäftige mich gar nicht erst damit, denken viele dann. Lass mich dir meinen Arm anbieten – ich begleite dich durch den „Genderwahnsinn“ und helfe dir, den Überblick zu behalten.


Mein Buch „Richtig gendern für Dummies“ ist da!

Du möchtest dir meine Tipps rund ums Gendern als praktisches Nachschlagewerk ins Regal stellen? Dann bestell dir jetzt mein Buch! Darin zeige ich dir sechs Arten zu gendern und wie du sie richtig anwendest. Außerdem erfährst du, wie du in welcher Situation am besten genderst – zum Beispiel in Studium und Beruf, im Internet, in barrierefreien Texten oder beim Sprechen.

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(Beachte bitte auch meine Fehlerdokumentation zum Buch, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.)


Definition: Was ist dieses Gender eigentlich?

Die Geschlechtsidentität eines Menschen setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die sich im Körper, in der Psyche und in der sozialen Geschlechterrolle widerspiegeln können. Geschlecht wird in unserer westlichen Gesellschaft bisher meistens in zwei Kategorien eingeteilt: männlich und weiblich. Diese Kategorien reichen aber nicht aus. Bei manchen Menschen weicht das tatsächliche Geschlecht von dem Geschlecht ab, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Sie sind also transgeschlechtlich (die Vorsilbe „trans-“ bedeutet so viel wie „jenseits“), während Menschen, die sich mit ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren, cisgeschlechtlich sind („cis-“ bedeutet „diesseits“).

Einige transgeschlechtliche Menschen erleben eine Diskrepanz zwischen Körper und Geschlechtsidentität, weshalb im Englischen auch von „sex“ und „gender“ gesprochen wird. Diese Einteilung steht jedoch mittlerweile in der Kritik. Denn andere wollen nichts an ihrem Körper verändern und dennoch entspricht ihr Geschlecht nicht dem bei der Geburt zugewiesenen. Außerdem gibt es auch intergeschlechtliche Menschen, die mit Geschlechtsmerkmalen auf die Welt kommen, die nicht der normativen Vorstellung eines weiblichen oder männlichen Körpers entsprechen. Dass wir die einen Körper als weiblich, andere als männlich bezeichnen, kann ebenso als Konstrukt betrachtet werden wie die gesellschaftlichen Erwartungen an die einzunehmende Geschlechterrolle.

Die Vorstellung einer Zweigeschlechtlichkeit, auch binäres Geschlechtersystem genannt, wird von zunehmender Akzeptanz der Geschlechtervielfalt abgelöst. Als nichtbinär werden Menschen bezeichnet, die weder (nur) Mann, noch (nur) Frau sind. Sie können zum Beispiel gar kein Geschlecht, ein Geschlecht zwischen oder gänzlich außerhalb von männlich und weiblich oder auch ein sich veränderndes Geschlecht haben. Mehr zu den jeweiligen Begrifflichkeiten erfährst du beispielsweise im Queer-Lexikon oder der Liste nichtbinärer Geschlechter auf nibi.space.

Geschlechtseintrag „divers“

Seit 2019 ist es übrigens bisher vor allem intergeschlechtlichen Menschen möglich, den Geschlechtseintrag „divers“ zu beantragen – anstelle von „männlich“ oder „weiblich“. Der Prozess ist zwar noch mit viel Bürokratie verbunden und dyadischen (also nicht intergeschlechtlichen) Menschen steht die Option noch nicht offen. Dennoch ist nun auch offiziell anerkannt, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Spätestens seitdem ist es notwendig, dass wir über eine Art zu gendern nachdenken, die alle einschließt.

5 Arten zu gendern

Jetzt geht es aber richtig los mit dem Gendern. Nachdem du einen Eindruck von den verschiedenen Geschlechtern bekommen hast, erfährst du nun, wie du sie am besten ansprichst. Einige gendersensible Schreibweisen hast du sicher schonmal irgendwo gesehen. Zum Beispiel:

  • Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, …
  • An alle Studierenden: …
  • Liebe KundInnen, …
  • Hallo Superheld*in, …
  • Liebe Freund_innen …

Diese und noch ein paar weniger bekannte Arten zu gendern stelle ich dir jetzt etwas näher vor. Mit Vorteilen, Nachteilen und Anwendungsbeispielen.

Richtig gendern: 5 Arten für alle Fälle

1. Paarform

Der Klassiker unter den geschlechtersensiblen Schreibweisen nennt die männliche und die weibliche Form in einem Atemzug. Manchmal bekommt die weibliche Form den Vortritt, aber die Reihenfolge ist an sich egal – solange du sie dann einheitlich beibehältst. Hier einige Beispiele:

  • Liebe Kundinnen und Kunden, herzlich willkommen auf unserer neuen Website!
  • Fragen Sie einen Arzt oder eine Ärztin.
  • Auf Wunsch berät Sie eine unserer Mitarbeiterinnen oder einer unserer Mitarbeiter.

Du merkst vielleicht schon, dass die Paarform ziemlich lange dauern kann. Vor allem im letzten Beispiel bauscht sie den Satz ganz schön auf. Zudem verursacht die Doppelnennung Wortwiederholungen. Die sollten in einem guten Text aber nicht zu häufig vorkommen.

Ja, die Paarform stellt die beiden Geschlechter Mann und Frau gleich. Was allerdings fehlt, sind die Zwischenformen und anderen Geschlechter. Trotzdem eignet sich diese Art zu gendern in vielen Fällen. Sie ist nämlich verständlich für alle, auch für Leser:innen, die noch nie etwas von anderen Gender-Varianten gehört haben. Und sie ist für die Schreibenden leicht anzuwenden. Du wirst noch sehen, dass andere Formen manch grammatikalische Hürde mit sich bringen.

Die Paarform passt zu konservativen und älteren Zielgruppen besser als beispielsweise das Gender-Sternchen („Leser*innen“). Damit können sie sich meist noch nicht anfreunden. Aber lieber die Paarform als nur die männliche, oder? In kleinen Schritten verändert sich die Welt.

2. Binnen-I und Schrägstrich

Zwei Formen, die so langsam aus der Mode kommen, sind das Binnen-I und der Schrägstrich. Deshalb fasse ich sie auch in einem Punkt zusammen. Sicher sind dir diese oder ähnliche Formulierungen in der Vergangenheit schon einmal untergekommen:

  • Ich helfe dir, deine Kund/innen inklusiv und Vielfalt wertschätzend anzusprechen.
  • Vor Kurzem habe ich meinen FollowerInnen auf Facebook und Instagram gezeigt, wie sie dort Alternativtexte hinzufügen können.
  • Der/die Mitarbeiter/in am Counter hilft Ihnen gerne weiter.
  • Du suchst eineN motivierteN TexterIN?

Hier wird es kompliziert – spätestens, wenn du nicht mehr eine Gruppe ansprechen möchtest („Liebe KundInnen, …“), sondern einzelne Personen („Du bist der/die Superheld/in in deinem Freund/innenkreis?“). Vom großen I geht außerdem eine Verwechslungsgefahr mit dem kleinen l aus. Und grammatikalisch kommst du irgendwann ins Straucheln – zum Beispiel, wenn du „Ärzt/in“ schreibst. Die enthaltene männliche Form lautet dann „Ärzt“ statt „Arzt“ und das ist falsch.

Für diesen Aufwand sind die Vorteile nicht so viel größer als die der Paarform. Der Text wird weniger durch Wortwiederholungen aufgebauscht. Aber immer noch widmet sich diese Art des Genderns nur Männern und Frauen.

3. Geschlechtsneutral formulieren

Wenn das alles so kompliziert ist, denkst du jetzt vielleicht, spreche ich meine Zielgruppe doch lieber neutral an. Das bedeutet nicht, das generische Maskulinum zu verwenden. Diese Variante erscheint uns als neutrale Form, weil wir sie seit Langem gewohnheitsmäßig verwenden. Aber eigentlich spricht sie nur die Männer an. Beispiele für wirklich neutrale Schreibweisen sind folgende:

  • Interessierte (statt Interessenten)
  • Studierende (statt Studenten)
  • Kundschaft
  • Personal
  • Menschen
  • Leute
  • Liebende
  • Wartende

Toll, oder? Du musst dich nicht festlegen und schließt alle Geschlechter ein! Leider funktioniert die neutrale Schreibweise nur bei einigen Worten. Es gibt keine Ärztenden. Und die Ärzteschaft impliziert eigentlich auch schon wieder nur männliche Ärzt:innen. Außerdem wirkt diese Ansprache recht unpersönlich.

4. Das Prinzip der Rollenverteilung

Mal die weibliche, mal die männliche Form – diese Variante nutze ich gern da, wo andere Arten zu gendern grammatikalisch an ihre Grenzen stoßen. Oder wenn das Gendern einen Text zu sehr aufbauscht. Das passiert bei Aufzählungen oder bei Konstruktionen wie „Der/die Kund/in bittet den/die Mitarbeiter/in um Hilfe“. So geht’s:

  • Bei Instagram kann die Nutzerin ihre Fotos entweder direkt beim Hochladen mit einem Alternativtext versehen oder diesen später hinzufügen. So erfährt auch ihr sehbehinderter Kunde, was auf den Bildern zu sehen ist.
  • So läuft die Behandlung ab: Der Patient sucht seine Hausärztin auf und lässt sich eine Überweisung ausstellen. Anschließend macht er einen Termin bei uns in der Praxis.
  • Alle sind verkleidet: Überall tanzen Hexen und Gespenster, Piratinnen und Räuber, Prinzen und Superheldinnen, Clowns und Comicfiguren.

Du verteilst also Rollen, auch wenn es um keine bestimmte Ärztin und keinen bestimmten Patienten geht. Stell dir vor, du schreibst für deine Kund:innen eine Anleitung, wie sie den Support kontaktieren können. Denk dir ruhig echte Personen aus. Berta Krause ist Kundin und hat ein Problem. Supportmitarbeiter Markus Schmidt kann ihr helfen. Du schreibst auf, wie Frau Krause Herrn Schmidt erreicht, ohne die Namen zu nennen. Bedenke aber, dass du die Rollen nicht beliebig tauschen solltest. Sonst fragen sich die Leser:innen irgendwann, ob noch von derselben Ärztin die Rede ist oder es auch noch einen Arzt gibt.

Der Vorteil der „Mal so, mal so“-Methode? Sie ist einfach anzuwenden, leicht verständlich und kommt ohne grammatikalische Ungereimtheiten aus. Dafür befasst auch sie sich nur mit dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht – du kannst sie aber auch mit einer Sonderzeichenvariante mischen! Das Abwechseln hebt die Geschlechter zudem einzeln hervor. Während das generische Maskulinum uns neutral erscheint, denken wir bei der femininen Form außerdem oft direkt an ausschließlich weibliche Personen.

Vorsicht: Klischeefalle!

Wenn du dich für das Prinzip der Rollenverteilung entscheidest, musst du dich noch einer weiteren Herausforderung stellen: Wir alle haben durch unsere Sozialisation bestimmte Geschlechterstereotype im Kopf, die uns oft gar nicht so bewusst sind. Mit der Rollenverteilung kannst du also leicht in die Klischeefalle tappen. Frage dich deshalb immer: Wer spielt hier wen? Reproduziere ich gerade stereotype Rollenbilder? Oder kann ich vielleicht auch mal bewusst gängige Klischees aufbrechen? Achte zum Beispiel darauf, zu technischen Themen nicht immer nur männliche, zu Modethemen weibliche Rollen zu verteilen – sondern kehre das Ganze auch mal um!

Solche unbewussten Stereotype zu erkennen und zu vermeiden, erfordert einiges an Selbstreflexion und ist nicht immer ganz einfach. Verwende das Prinzip der Rollenverteilung also am besten nur, wenn du dich schon einmal mit Geschlechterstereotypen auseinandergesetzt hast. Und prüfe deinen Text vor der Veröffentlichung noch einmal genau. Wenn du kannst, lass ihn noch einmal von einer anderen Person gegenlesen.

5. Mut zur Lücke: Der Gender-Gap

Darauf hast du vielleicht schon die ganze Zeit gewartet: den Gender-Gap. Bei dieser Art zu gendern lässt du eine Lücke zwischen der männlichen und der weiblichen Form. Sie bietet endlich auch allen Geschlechtern zwischen oder abseits von Mann und Frau einen Platz. Möglich sind verschiedene Schreibweisen:

  • Gendern mit Unterstrich: Kund_innen
  • Gendern mit Sternchen: Kund*innen
  • Gendern mit Doppelpunkt: Kund:innen
  • Gendern mit Mediopunkt: Kund·innen
  • Gendern mit Punkt: Kund.innen
  • Gendern mit einfachem Kodierungszeichen: Kund’innen

Hier noch einige Beispielsätze, die die grammatikalischen „Regeln“ verdeutlichen:

  • Seit ich freie Texterin bin, durfte ich mich um die Inhalte verschiedener toller Auftraggeber:innen kümmern.
  • Ein*e Mitarbeiter*in hilft dir gerne weiter.
  • Oft ist der_die Patient_in schon bei vielen verschiedenen Ärzt_innen gewesen.

Die Lücken-Variante ist die einzige, die den Anforderungen der Geschlechter gerecht wird, die nicht (nur) männlich oder weiblich sind. Dieser Umstand gleicht die Nachteile aus, die bei der Lücke genauso entstehen wie bei Binnen-I und Schrägstrich: Grammatikalisch ist die Schreibweise mit dem Gender-Gap oft falsch. Wenn du Personen in der Einzahl ansprechen möchtest, wird der Text schnell unübersichtlich und schwerer zu lesen. Das ist besonders für Menschen, die gerade erst Deutsch lernen oder eine Lernbehinderung haben, ein Problem.

Das Gendersternchen (Kund*innen) wird gern begründet mit seinen in alle Richtungen zeigenden Zacken. Sie verdeutlichen die vielfältigen Geschlechter, die diese Lücke repräsentiert. Das Sternchen, der Unterstrich und der Punkt haben jedoch einen gemeinsamen Nachteil für Screenreader-Nutzer:innen, die also eine Vorlesesoftware verwenden. Viele Screenreader lesen die Sonderzeichen mit vor: Kund-Stern-innen bzw. Kund-Punkt-innen. Beim Doppelpunkt wird dagegen zum Beispiel eine längere Pause gelassen. Der Vorteil des Doppelpunktes: Er ist schlank und lässt eine weniger kleine Lücke als Sternchen und Unterstrich. Das macht den Text leichter lesbar. Allerdings sind auch Screenreader unterschiedlich und können teilweise individuell eingestellt werden. Auch der Doppelpunkt ist also nicht die einzig wahre Art zu gendern.

Warum es „die richtige“ Art zu gendern nicht gibt

Bei den vielen Möglichkeiten fragst du dich jetzt sicher, welche Art zu gendern nun die richtige ist. Und ich sage dir: Die richtige Art zu gendern gibt es nicht. Wie du siehst, haben alle Varianten Vor- und Nachteile. Viele von ihnen entsprechen nicht den aktuellen amtlichen Rechtschreibregeln. Um eine vollkommen gleichwertige Ansprache aller Geschlechter zu erzielen, müssten diese Regeln verändert.

Eine weitere, neutrale grammatikalische Endung für Worte wie Leserin oder Leser würde aus meiner Sicht beispielsweise wirklich allen Geschlechtern gerecht werden. So lange die nicht existiert, gibt es nicht die einzig wahre und richtige Art zu gendern, sondern verschiedene, von denen sich je nach Situation manche besser, andere weniger gut eignen. Dennoch ist Gendern wichtig, wie du zum Beispiel in meinem Artikel mit 5 Argumenten für eine geschlechtergerechte Sprache ausführlicher nachlesen kannst. Denn unsere Sprache beeinflusst unser Denken und damit auch, ob und wie wir verschiedene Personengruppen mitdenken.

Lass dich nicht verunsichern und finde eine gendersensible Sprache, die zu dir und deiner Zielgruppe passt. Würde ich glauben, die richtige Variante zu kennen, hätte ich dir die übrigen Optionen nicht vorgestellt. Sie alle werden in der Praxis verwendet und zeigen, dass sich die Schreibenden Gedanken machen. Auf meinem Blog findest du auch Artikel dazu, wie du barrierefrei gendern oder geschlechtergerechte Sprache mit Suchmaschinenoptimierung vereinbaren kannst. Außerdem gibt es einen Beitrag zur Kritik am Gendern mit Doppelpunkt, der zeigt, dass sich die geschlechtergerechte Sprach auch in einem stetigen Wandel befindet.

Irgendwann wird es für uns wahrscheinlich völlig normal sein, geschlechtergerecht zu schreiben und zu sprechen. Bis dahin gilt es, verschiedene Methoden auszuprobieren, offen für Veränderungen zu bleiben und vor allem den Stimmen aus der queeren Community Gehör zu schenken.

Wie genderst du? Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht? Oder brauchst du Hilfe, die richtige Methode zu finden? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

 

Dieser Beitrag wurde im April 2021 nach einem Sensitivity-Reading überarbeitet. Mehr über die Weiterentwicklung meiner Inhalte liest du in meiner Fehlerdoku.

36 comments Richtig gendern: 5 Arten für alle Fälle

  1. Hallo Luisa,
    ich gender mit einer Mischung aus geschlechtsneutralen Bezeichnungen und *, wo das nicht passt. Ich sehe den Punkt, dass der * beim Screenreading nachteilig ist und folge dementsprechend wohl deiner Empfehlung den : zu verwenden.
    Auf die Suche gemacht hatte ich mich eigentlich wegen einem anderen Fall: Ich schreibe einen Text für ein Programm und bezeichne, die Menschen, die mitmachen, als Teilnehmende. Unsicher werde ich bei Sätzen wie: „Die Betreuende bekommt pro Teilnehmende:m eine Aufwandsentschädigung von 10 €.“
    Was mach ich mit dem Artikel in der Einzahl (und manchmal lässt sich einfach nicht auf die Mehrzahl ausweichen)?
    Und wie gehe ich damit um, wenn die Endungen sich nicht durch einen Anhang unterscheiden, sondern einfach verschieden sind (oben Teilnehmender/Teilnehmendem)?
    Ich möchte am liebsten Texte so schreiben, dass mensch (was sagst du eigentlich zu mensch statt man??) sie mit allen geschriebenen Buchstaben als sinnvollen Satz lesen kann. Das wird schwierig, wenn in einem Zusammenhang teils die weibliche, teils die männliche Form länger ist. Z. B.: „Gesucht wird ein:e nette Bäcker:in.“ So erfüllt es meine Lesbarkeitsbedingung, aber dafür ist das Adjektiv gar nicht gegendert. Oder in einer anderen Variante: „Wir suchen eine nette Bäcker:in.“ oder „Wir suchen eine:n nette:n Bäcker.“ oder halt mit Verzicht auf die alle-Buchstaben-Lesbarkeit: „Wir suchen eine:n nette:n Bäcker:in.“ Ist diese Lesbarkeitsvorstellung einfach eine Schüppe zu viel?
    Liebe Grüße Uli

    1. Hallo Uli!
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Fragen. Ja, das Gendern mit dem Sternchen oder dem Doppelpunkt hat schon so seine Tücken. Aber je länger du es machst, desto leichter und selbstverständlicher wird es – das weiß ich aus eigener Erfahrung. 🙂

      Dein erster Beispielsatz mit den Teilnehmenden wäre so richtig. Alternativ könntest du auch folgendes schreiben:
      „Die Betreuende bekommt pro Teilnehmer:in eine Aufwandsentschädigung von 10 €.“
      „Die Betreuende bekommt pro teilnehmende Person eine Aufwandsentschädigung von 10 €.“
      Mit der zweiten Variante sparst du dir die Frage nach dem Artikel. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Du kannst schreiben: „der:die Teilnehmer:in“ oder „der oder die Teilnehmer:in“ Für deinen Beispielsatz wäre z. B. auch möglich: „Die Betreuende bekommt für jede:n Teilnehmende:n eine Aufwandsentschädigung von 10 €.“

      Für die unterschiedlichen Anhänge bei männlicher und weiblicher Form (pro Teilnehmender/Teilnehmendem) gibt es verschiedene Lösungen. Am gebräuchlichsten ist aber die, bei der nur eine Endung verwendet wird. Die Lücke, also hier der Doppelpunkt, steht dann auch für die andere Endung. Das ist so z. B. bei Kund:in, Kolleg:in etc. Bei vielen Worten bleiben aber auch beide Endungen erhalten, z. B. bei Texter:in, Teilnehmer:in, Kursleiter:in usw. Manche lösen das auch durch mehrere Sonderzeichen, z. B. bei „den Teilnehmer:inne:n“. Wenn du den Teil zwischen den Doppelpunkten herausnimmst, hast du die vollständige männliche Form. Ich würde diese Variante allerdings nicht unbedingt empfehlen, da sie die ganze Sache noch einmal komplizierter macht.

      Dein zweiter Beispielsatz müsste in der Form, die ich empfehle, so lauten: „Gesucht wird ein:e nette:r Bäcker:in.“ bzw. „Wir suchen eine:n nette:n Bäcker:in.“ Handelt es sich um eine Stellenanzeige, könntest du auch schreiben: „Bäcker:in gesucht! Du hast diese und jene Eigenschaften? Dann bewirb dich bei uns als Bäcker:in. Wir bieten dir dieses und jenes …“ Ansonsten empfehle ich dir fürs weniger komplexe Schreiben in der Einzahl, wann immer es möglich ist, das Prinzip der Rollenverteilung anzuwenden, das auch im Artikel unter 4. beschrieben ist.

      Das Thema „man“ ist etwas umfangreicher. Ich werde dazu wohl noch einen eigenen Blogartikel schreiben. Für den Moment kann ich dir aber sagen, dass du man-Formulierungen sowieso am besten vermeiden solltest. Sie wirken nämlich meist passiv und unpersönlich. Versuche lieber, die handelnde Person konkret zu benennen.

      Ich hoffe, meine Antworten helfen dir weiter. Wenn du magst, kann ich mir deinen Text auch einmal im Rahmen des Diversity Checks ansehen und dir individuelle Tipps zum Gendern geben. Mehr über dieses Angebot findest du hier: https://www.lucia-clara-rocktaeschel.de/leistungen/diversity-check/

      Liebe Grüße,
      Lucia

  2. Hi,

    hast du zufällig Links zu Erfahrungsberichten oder Beiträgen von nicht-binären Menschen zum Doppelpunkt-Gendern? Aktuell ist das für mich die beste Lösung aber ich möchte immer auch own voices dazu hören.

    1. Hallo Lara!
      Danke für deinen Kommentar. Der erste Artikel, in dem ich vom Doppelpunkt gelesen habe, ist dieser hier: http://kleinerdrei.org/2016/09/alles-handeln-ist-politisch-ein-plaedoyer-fuer-das-gendern-mit-doppelpunkt-und-ein-gespraech-mit-lann-hornscheidt/
      Darin heißt es z. B:
      „Auch aufgrund der medialen Strahlkraft erschien mir Hornscheidt jedenfalls als ideale:r Gesprächspartner:in für die Suche nach dem Ursprung des Gender-Doppelpunkts. Gleich zu Anfang fragte ich, ob er ihm:ihr schon einmal begegnet sei, was von Hornscheidt verneint wurde: „Der Dopppelpunkt ist eine gute Möglichkeit, um zu zeigen, dass es viele Satzzeichen und -möglichkeiten gibt, andere Sprachmodelle auszuprobieren“. Anders als der Unterstrich zeige er für Hornscheidt keine Lücken zwischen den Geschlechtern auf, sondern vielmehr, dass es etwas zu stoppen gebe. Er mache auf so etwas aufmerksam, wo man hinhören sollte.“
      Ich habe schon angefangen, mich in meinem Netzwerk umzuhören, und melde mich, wenn ich weitere Infos zu deiner Frage finde! 🙂
      Liebe Grüße,
      Lucia

    2. Hi Lara, (Lucia hat mich auf deinen Kommentar aufmerksam gemacht, und gefragt ob ich eine Meinung habe die ich äußern möchte.)
      Ich habe zwar keinen Beitrag dazu geschrieben aber ich denke es ist auch okay für dich, wenn du meine „own voice“ hier als Kommentar zu lesen bekommst, richtig? Also ich bin nicht-binär und prinzipiell empfinde ich jedes Gendern durch Störung gut. Ich mag Sternchen, Unterstriche, Doppelpunkte, Apostrophe,… Aufgrund dessen, dass Screenreader Doppelpunkte und Apostrophe besser vorlesen, bevorzuge ich diese beiden im digitalen Kontext auch wenn ich darauf nicht angewiesen bin. Ich finde es einfach wichtig, dass Sprache möglichst barrierefrei ist. Für mich persönlich ist wichtig, dass ich beim Lesen weiß, dass ich auch gemeint bin. Das ist nicht der Fall wenn zB. mit einem Schrägstrich (Künstler/in) gegendert wird, aber alle anderen Zeichen die dazwischen gesetzt werden funktionieren für mich gut (:

  3. Gerade die Einführung eines dritten Geschlechts macht das Gendern mit allen $%:*_ Binnenzeichen noch schwachsinniger. Schließlich ist bei allen, auf diese Art erzeugten Wortgebilden, das dritte Geschlecht endgültig außen vor. Wenn ich jetzt von Teilnehmer*innen spreche, so habe ich das gramatikalische Geschlecht des Wortes aufgegeben und beziehe mich nur noch das Geschlecht der angesprochenen Personen. Und das sind somit nur Menschen die „binär“ sind. Divers ist explizit außen vor…

    1. Hallo Oliver!
      Du hast recht – das Gendern mit Sonderzeichen ist nicht unbedingt ideal. Zwar sollen Sternchen oder Unterstrich nichtbinäre Geschlechter symbolisieren. Unsere Sprache ist dennoch weiterhin grundsätzlich binär gestaltet, sodass bei dieser Schreibweise immer wieder Probleme auftauchen. Es gibt aber auch schon vielfältige Überlegungen und Ideen für dritte Pronomen oder neue, geschlechtsneutrale grammatikalische Endungen. Schau dazu mal unter https://nibi.space/pronomen oder https://www.annaheger.de/pronomen/ vorbei. Diese dürften aber noch wesentlich schwerer durchzusetzen sein als Varianten mit Sonderzeichen.

      Für die Verwendung von Sonderzeichen spricht, dass diese Formen teilweise von nichtbinären Menschen erdacht worden sind und viele wünschen sich, auf diese Weise angesprochen zu werden. Ein Beispiel siehst du weiter oben im Kommentar von Jayne. Und letztlich ist es doch wichtig, dass wir als binäre Menschen nichtbinäre Menschen so ansprechen, wie sie angesprochen werden wollen, nicht wie wir es für richtig halten.

      Dabei dürfen natürlich Aspekte wie Lesbarkeit und Barrierefreiheit nicht außen vor gelassen werden. Wir können nicht eine Gruppe einschließen und dafür eine andere ausschließen. Deshalb schreibe ich im Text ja auch, dass es bisher keine „richtige“ Art zu gendern gibt.

      Was wäre denn für dich eine gute Lösung?

      Liebe Grüße,
      Lucia

  4. Hallo Lucia,

    ich bin auf der Suche nach einer Lösung für mein Gender-Problem auf deine Seite gestoßen und hoffe, du kannst mir helfen. Ich lektoriere gerade den Tätigkeitsbericht unserer Firma. Darin wird teilweise mit Genderstern und teilweise mit der Paarform (Besucherinnen und Besucher) gegendert. Daran kann ich grundsätzlich nichts ändern, weil mein Chef den Genderstern nicht immer schön findet und dann auf die Paarform zurückgreift. Nun meine Frage: Ist es okay in einem Text von 164 Seiten mehrere Varianten zu verwenden? Und wie würdest du mehrere Varianten auf der gleichen Seite empfinden? Gibt es dazu bereits verbindliche Regeln, auf die ich mich berufen kann?

    Vielen Dank für deine Hilfe und liebe Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra,

      danke für deinen Kommentar! Es gibt bisher leider noch überhaupt keine einheitlichen Regeln zum Gendern. Ich persönlich würde Paarform und Gendersternchen nicht mischen, auch wenn ich das nicht so kritisch sehe wie etwa verschiedene Sonderzeichen zu mixen – das könnte die Leser:innen verwirren. Was du aber machen kannst, ist, entweder das Sternchen oder die Paarform zu wählen und sie dann mit neutralen Formulierungen und/oder dem Prinzip der Rollenverteilung zu kombinieren. Das mache ich selbst auch so und es kommt dadurch relativ selten vor, dass ich das Sternchen überhaupt verwenden muss. Schau gerne mal durch meine anderen Blogtexte, da kannst du das gut sehen. 🙂

      Im Oktober plane ich übrigens einen Online-Workshop zum Gendern. Dort werden genau solche Fragen geklärt und wir üben gemeinsam richtiges Gendern in der Praxis. Falls du daran Interesse hast, melde dich gern für meinen Newsletter an, dann erhältst du demnächst alle weiteren Infos (https://www.lucia-clara-rocktaeschel.de/newsletter/).

      Meld dich ansonsten gerne, wenn du noch weitere Unterstützung brauchst. 🙂

      Liebe Grüße,
      Lucia

      1. Liebe Lucia,

        vielen Dank für deine rasche Antwort und den Input! Ich werde mal sehen, wie ich das am besten löse … bei uns wird das Thema Gendern leider noch ziemlich altmodisch betrachtet, was es mir umso schwerer macht 🙁

        Liebe Grüße
        sandra

        P.S.: Newsletter ist schon bestellt!

  5. Hallo,
    wie kann man „Liebe Bauern und Bäuerinnen“ gendern? Ich las „Liebe Mitbauer:innen,
    aber eine Bauerin gibt es ja nicht.
    Liebe Grüße und vielen Dank!

    1. Hallo Christiane!
      Ja, wenn die feminine Form Umlaute enthält, ist das immer ein bisschen schwierig. Du könntest hier „Bäuer:innen“ schreiben – dann wäre die vollständige männliche Form „Bauer“ zwar nicht enthalten, aber es ist durchaus üblich. Alternativ könntest du beide Formen ausschreiben, also „Bauern:Bäuerinnen“.

      Ich hoffe, das hilft dir erstmal weiter.

      Liebe Grüße,
      Lucia

      1. Aber es gibt keinen männlichen „Bäuer“.
        Und das ist das Problem bei der Gendersprache mit Sternchen, um nicht zu sagen: es ist unglaubwürdig. Die Sprache wurde ja „gendergerecht erweitert“, weil im generischen Maskulinum wie bisher die Damen und non-binäre Menschen nur „mit gemeint“ wurden.
        Bei der gendergerechten Sprache mit Sternchen wird nun wiederum in sehr vielen Fällen das Maskulinum nur mitgemeint. Und im Prinzip werden non-binäre Menschen auch mit dem Sternchen lediglich nur mitgemeint bzw. drauf reduziert.
        Gut zu sehen hier bei „Bäuer*innen“. Oder auch in deinem Beispiel mit Kund*innen. Es gibt keinen männlichen „Kund“. Und zu sagen „das en, die Pluralform, ist ja im *innen vorhanden“, ist mir etwas zu einfach gedacht.

        1. Hallo!
          Das stimmt, von den offiziellen Rechtschreibregeln bewegen wir uns mit Gendersternchen und anderen Sonderzeichen weg. Die von dir genannten Beispiele lassen sich auch so lösen: Statt „Bäuer*in“ kannst du „Bauer*Bäuerin“ schreiben. Bei „Kund*innen“ funktioniert dasselbe, manche schreiben auch Kund*inn*en, sodass die männliche Form entsteht, wenn das „inn“ weggenommen wird. Da gibt es kein Richtig oder Falsch und bisher auch keine Regeln. Ich verstehe aber, dass sich einige Menschen von diesen Varianten nicht repräsentiert fühlen. Hast du denn eine Idee, wie es besser ginge? 🙂

          Viele Grüße
          Lucia

  6. Hallo Lucia,
    danke für deinen durchaus gelungenen Versuch, einen aktuellen Querschnitt des Genderns abzubilden. Ich bin Lehrkraft und mir ist es unglaublich wichtig, gerade Kindern mit gendergerechter Sprache zu entgegnen. Denn mehr als man vielleicht denkt, fordern gerade unsere „Nicht-mehr-Kinder“ in der Pubertät und danach sowieso, dass auch Farben nicht genderbehaftet genutzt werden. Denn zurecht: Aus der Praxis weiß ich, dass Geschlechtsanpassungen (im medizinischen Sinne) immer häufiger werden. Ich unterrichte derzeit bereits 3 Personen (Das umfasst ja nicht mal bei Weitem alle Lerngruppen meiner Schule!) und es stellt einen schon vor viele sprachliche Herausforderungen, die man gerne für die zu Unterrichtenden zu Gunsten ihrer Persönlichkeitsentwicklung in Kauf nimmt.

    Ich weiß, dass dieser Doppelpunkt zwar immer üblicher wird, allerdings sehe ich den großen Nachteil im Symbol selber: Man nutzt genau ZWEI Punkte, um eigentlich etwas Nichtbinäres abzubilden. Dennoch sind auch *(Das Nichtbinäre wird hier als etwas „Besonderes“, andersartiges hervorgehoben.) und Gendergap (Männlich und weiblich sind von ihrer Stellung im Wort die Randextrema und alles andere befindet sich irgendwo dazwischen.) nicht unproblematisch. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Doppelpunkt genau das symbolisch abbildet, was man ja eigentlich nicht möchte: Binäres Geschlechterdenken.

    Gibt es darüber hinaus noch andere Ansätze, die dem vielleicht besser entgegentreten können? Ich wäre dir sehr dankbar! 🙂

    1. Hallo Martin,

      danke fürs Teilen deiner Gedanken! Du hast recht, einige Menschen sind der Meinung, dass der Doppelpunkt zu sehr das binäre System abbildet. Es gibt aber auch verschiedene andere Sonderzeichen, die genutzt werden können, zum Beispiel Mediopunkt (Kund·innen) oder das einfache Kodierungszeichen (Kund’innen). Statt der Sonderzeichenvarianten bieten sich ansonsten vor allem neutrale Formulierungen an. Auch Ideen zu alternativen neutralen Wortendungen und Pronomen gibt es – dazu folgt demnächst ein Gastartikel hier auf dem Blog. Hier noch ein paar Links zu diesem Thema:
      https://www.annaheger.de/pronomen/
      http://feministisch-sprachhandeln.org/leitfaden/kapitel4/
      https://nibi.space/pronomen

      Hilft dir das weiter?

      Viele Grüße
      Lucia

  7. Hallo Lucia!

    Ich bin die Tage über das Wort „einbürgern“ gestolpert und finde dazu keine geschlechtsneutrale Formulierung, würde das aber gerne konsequent umsetzen.

    Stell‘ ich dann da am besten die ganze Formulierung um, oder wie kann man mit Verben deiner Meinung nach am besten umgehen?

    1. Hallo Max,
      in solchen Fällen empfiehlt es sich, umzuformulieren – soweit das möglich ist und du nicht zwingend die genauen Bezeichnungen für solche Vorgänge verwenden musst. Auch ein Blick in ein Synonymwörterbuch (oder eine einfache Google-Suche nach Wort + Synonym) kann helfen. Je nach Kontext kannst du vielleicht von „Staatsbürger:in werden“ oder „Staatsangehörigkeit“ sprechen. Innerhalb eines Verbs zu gendern, würde ich nicht empfehlen. Zu dem Wort speziell habe ich jetzt nichts gefunden, aber generell ist https://geschicktgendern.de/ immer eine gute Anlaufstelle für neutrale Alternativen. 🙂

      Liebe Grüße
      Lucia

  8. Hallo Frau Rocktäschel,
    beim Gender Gap usw. fällt mir immer wieder auf, dass die weibliche Form nicht gleichberechtigt neben der männlichen steht, sondern diese verdrängt. Ihr Beispiel in dem Beitrag vom 05.03. ist etwa „Kund_in“. Seit wann ist „Kund“ die männliche Form? Ich bin kein Kund, sondern Kunde. Daher verlange ich folgende Schreibweise: „Kund_e_in, gerne auch „Kund_in_e. Dann ist ist genderneutral. Bei vielen Substantiven geht das natürlich einfacher, die „Lehrer_innen“ sind sprachlich einigermaßen sauber zu schreiben und zu lesen. Doch im Akkusativ usw. verschwindet die männliche Form wieder: „Den Lehrer_innen“ müsste man eigentlich mit „Den Lehrer_inne_n“ begegnen, um Geschlechtergerechtigkeit herzustellen.

    Herzliche Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,
      ja, das stimmt. Die vollständige männliche Form geht tatsächlich bei einigen Wörtern verloren. Trotzdem hat sich diese Schreibweise etabliert, vermutlich auch, da sie leichter zu lesen ist. Was ich alternativ empfehle, vor allem bei Umlauten oder wenn es grammatikalisch schwierig wird, ist diese Schreibweise: „Kunde_Kundin“, „Arzt_Ärztin“, „jeden_jede“. Ansonsten vielleicht versuchen, auf neutrale Formulierungen zu setzen.

      Viele Grüße
      Lucia

    2. Hallo Christoph,
      hallo Mitdiskutierende

      ich bin auf diese Seite durch Zufall gestoßen. Mich persönlich nervt dieser Gender Gap, auch das Lesen eines Textes in der Genderform ist alles andere als schön und flüssig.
      Diese Meinung stellte ich jetzt aber mal zur Seite. Darum soll es in meinem Kommentar gar nicht gehen. Ich schaue da immer gern in das Englische, wo diese Probleme scheinbar durch den Artikel „the“ nicht bestehen.
      Jetzt die Frage in die Runde. Bei eben z.b. „Kunden“ wird doch die Mehrzahl verwendet. Diese sollte doch jede Form des Geschlechts inkludieren. Schreibt man „Lieber Kunde liebe Kundin“ ist das dann natürlich nicht der Fall. Bei „geehrte Kunden“ oder „liebe Kunden“ werden m.M. nach alle angesprochen. Analog dazu auch bei Lehrer. Der Lehrer, die Lehrerin oder eben die Lehrer (Mehrzahl). Wenn eine Schule also zb. Lehrkräfte sucht… „Wir suchen Lehrkräfte für Mathematik“ (genderneutral), „Wie suchen eine Lehrerin“ (wenn wirklich nur Frauen gesucht werden) “ Wir suchen Lehrer für …“ sind mit „Lehrer“ doch alle gemeint, oder nicht? Wie spricht man dann eigenlich einen genderneutralen Lehrer direkt an? …

  9. Die Lückenvariante „Die Lücken-Variante ist die einzige, die den Anforderungen der Geschlechter gerecht wird, die nicht (nur) männlich oder weiblich sind.“ ist für mich keineswegs die einzige, die den Anforderungen gerecht wird. Was soll das sein „Ärzt_innen“? Die Mehrzahl von Arzt (männlich) ist Ärzte und nicht „Ärzt“.

    1. Hallo Ahyl,

      das stimmt natürlich, auch neutrale Formulierungen werden allen gerecht, da sie ja gar kein Geschlecht implizieren. Das sollte ich vielleicht mal ändern. Was die verlorengegangene männliche Pluralform betrifft gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Du könntest in solchen Fällen zum Beispiel „Arzt_Ärztin“ bzw. „Ärztinnen_Ärzte“ schreiben.

      Viele Grüße
      Lucia

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