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Die 6 Diversity-Dimensionen einfach erklärt

Die 6 Diversity-Dimensionen

Vielfalt wertschätzend schreiben heißt, dass du unterschiedliche Eigenschaften und Lebensweisen innerhalb deiner Zielgruppe berücksichtigst. Das können aber ziemlich viele sein! Hast du dich auch schon gefragt, wie du dieser ganzen Diversität bloß gerecht werden sollst? Glücklicherweise bist du da nicht die erste. Hier erfährst du, was die 6 Diversity-Dimensionen sind und wie du sie in deinen Texten richtig ansprichst.

Schon seit den 70er Jahren beschäftigen sich Soziolog*innen damit, wie sich Vielfalt am besten in ein System bringen lässt, mit dem man sie managen kann. Dabei haben sich diese 6 Diversity-Dimensionen etabliert:

Die Kerndimensionen wurden in den 1970er Jahren am National Training Laboratories Institute for Applied Behavioral Science in Bethel in den USA entwickelt. Im Laufe der Zeit wurden sie immer wieder angepasst und erweitert. Die Autorinnen Gardenswartz und Rowe haben zum Beispiel das Modell der „4 layers of Diversity“ entwickelt – auch als Diversity-Rad bekannt. Hier werden die inneren Diversity-Dimensionen erweitert um äußere Dimensionen wie Einkommen, soziale Herkunft, Berufserfahrung oder Familienstand sowie organisationale Dimensionen wie Arbeitsort, Abteilung, Dauer der Zugehörigkeit etc. Sie basieren alle auf den 6 Kerndimensionen – und deshalb solltest du diese unbedingt kennen!

1. Geschlecht

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein Thema, an dem du kaum vorbeikommen dürftest. Feminist*innen haben sie in den Fokus gerückt und bereits viele Erfolge erzielt in Sachen Gleichstellung der Frau. Zur Dimension Geschlecht zählen aber noch mehr Menschen als Männer und Frauen. Das lehren uns die Gender Studies und natürlich die realen Erfahrungen von Personen, die sich nicht mit dem binären System aus männlich und weiblich identifizieren.

Da gibt es Transmenschen, deren soziales Geschlecht (wie sie sich identifizieren) nicht mit dem biologischen (also den körperlichen Geschlechtsmerkmalen) übereinstimmt. Wenn soziales und biologisches Geschlecht übereinstimmen, spricht man übrigens von Cis-Personen. Dann gibt es intersexuelle Menschen, die mit Merkmalen beider Geschlechter auf die Welt kommen. Sie dürfen sich seit 2019 die dritte Geschlechtsoption „divers“ in offizielle Dokumente wie den Reisepass eintragen lassen. Und schließlich gibt es non-binäre oder genderqueere Menschen, die sich mit keinem oder einem Geschlecht außerhalb des Mann-Frau-Systems identifizieren.

Ja, auf den ersten Blick wirkt das alles recht unübersichtlich, aber ich verlinke dir mal eine Liste aller Geschlechtsidentitäten. Sie wird dir helfen, zu verstehen, wer alles zur Diversity-Dimension Geschlecht zählt!

Meine Tipps für geschlechtergerechte Sprache

Das Geschlecht spiegelt sich in unserer Sprache besonders wider, denn Deutsch gehört zu den Sprachen mit grammatikalischem Geschlecht. Wörter wie Texter, Kunde oder Student sind nicht geschlechtsneutral, sondern männlich. Obwohl mindestens die Hälfte aller Menschen nicht männlich ist, verwenden viele Menschen die männliche Form generisch, also immer, egal ob Männer oder Frauen gemeint sind. Studien zeigen aber, dass sich Frauen und Menschen anderen Geschlechts davon weniger angesprochen fühlen. Deshalb empfehle ich dir, auf eine geschlechtergerechte Sprache zu achten. Dabei helfen dir diese Tipps:

  • Lies meinen Blogartikel Richtig gendern und wähle die Art zu gendern, die am besten zu dir und deiner Zielgruppe passt.
  • Vermeide Worte oder Formulierungen, die Berufe oder Eigenschaften einem bestimmten Geschlecht zuschreiben. Wähle Krankenpfleger*in statt Krankenschwester, Flugbegleiter*in statt Stewardess, Reinigungskraft statt Putzfrau, Friseur*in statt Friseuse.
  • Verzichte auf Klischees und stereotype Darstellungen. Dazu gehören zum Beispiel die Assoziationen von Jungs mit Blau und Mädchen mit Rosa, Kochen mit Frauen oder Technik mit Männern.

2. Sexuelle Orientierung

Zur Anzahl der Menschen, die nicht heterosexuell sind, gibt es verschiedene Studien mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Laut der europaweit durchgeführten Dalia-Studie von 2016 identifizieren sich 7,4 % der Deutschen und 5,9 % der Europäer*innen als LGBT-Personen.

LGBT bedeutet Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender. Das Akronym gibt es noch in verschiedenen anderen Varianten wie LGBT+, LGBTQ+ oder LGBTQIA+. Das Q steht für Queer, das I für Intersexuell und das A für Asexuell. Das +, manchmal auch ein *, steht für alle Identitäten, die in der Abkürzung nicht aufgeführt werden. Weil es auch in dieser Diversity-Dimension viele verschiedene Unterarten gibt, verlinke ich dir wieder eine Liste aller sexuellen Orientierungen.

Oft werden Menschen, die nicht heterosexuell sind oder eine geschlechtliche Identität haben, die nicht dem biologischen Geschlecht entspricht, zusammengefasst. Die beiden Eigenschaften stehen aber erstmal nicht in direktem Zusammenhang – deshalb gibt es einerseits die Dimension Geschlecht und andererseits die Dimension Sexuelle Orientierung. Eine Transfrau kann hetero-, homo-, pan- oder asexuell sein. Und ein heterosexueller Mann kann trans- oder intergeschlechtlich sein.

Es gibt aber viele Klischees, die den Eindruck vermitteln, eine bestimmte sexuelle Orientierung gehe mit einer bestimmten geschlechtlichen Identität einher. Ich höre zum Beispiel oft den Satz: „Du bist viel zu feminin, um lesbisch zu sein.“ Dass ich eine Frau liebe, bedeutet aber nicht zwingend, dass ich mich mit männlichen Eigenschaften identifiziere.

Meine Tipps zum Berücksichtigen der sexuellen Orientierung

Dass sich ein Angebot gezielt an Menschen mit einer bestimmten sexuellen Orientierung richtet, kommt eher selten vor – außer in den entsprechenden Nischenmärkten. Wenn du selbst heterosexuell bist, gehst du aber oft automatisch von deiner Sexualität als „Norm“ aus. Das kannst du vermeiden, indem du diese 3 Tipps befolgst:

  • Vermeide Klischees, wie zum Beispiel, dass sensible oder feminin auftretende Männer schwul sind oder bisexuelle Menschen sich einfach nicht entscheiden können.
  • Wenn du über Beziehungen, Partnerschaft oder den Valentinstag schreibst, dann richte dich auch an nicht heterosexuelle Menschen und beziehe sie aktiv ein.
  • Lies deinen Text Korrektur und nimm dabei die Perspektive einer Person ein, die zum Beispiel lesbisch oder schwul ist.

3. Alter

Der demografische Wandel wird in Deutschland besonders stark zu spüren sein. Laut statistischem Bundesamt wird die Zahl der über 65-jährigen Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stark ansteigen. Das heißt, die Zielgruppe älterer Menschen wird immer größer. Umso wichtiger ist es, Altersdiskriminierung abzubauen und Senior*innen inklusiv anzusprechen.

Aber auch junge Menschen sind von stereotypen Annahmen bezüglich ihres Alters betroffen. Sie werden häufig nicht ernst genommen, ihre Erfahrungen und Erfolge werden heruntergespielt und ihnen wird abgesprochen, eine eigene Meinung zu haben. Das ist zum Beispiel gut an der Fridays-for-future-Bewegung zu erkennen. In Politik und Medien werden die Schüler*innen, die sich für das Klima einsetzen, so dargestellt, als wollten sie nur die Schule schwänzen und als hätten Erwachsene ihnen ihre Statements in den Mund gelegt.

Verschiedene Altersgruppen inklusiv ansprechen

Häufig ist das Alter eine Eigenschaft, die unsere Zielgruppe eingrenzt. Doch jede Altersgruppe hat mit ihren eigenen Vorurteilen zu kämpfen. Hier sind meine Tipps zur Diversity-Dimension Alter:

  • „Zu jung für…“, „Zu alt, um…“ – ergänze diese Sätze mit deinen eigenen Vorurteilen gegenüber der Altersgruppe, die du ansprechen möchtest. Und hinterfrage sie!
  • Vermeide Klischees wie den Opa, der nicht weiß, was das Internet ist (in Zukunft werden immer mehr Menschen alt, die das Internet sehr versiert nutzen) oder den jungen Menschen, der seine Wäsche noch zu Mutti bringt.
  • Nimm alte und junge Menschen ernst und finde heraus, wie sie wirklich ticken.

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4. Ethnische Herkunft & Nationalität

Migration ist ein immer wichtigeres Thema in Deutschland und weltweit. Menschen unterschiedlicher Herkunft oder Nationalität leben immer häufiger zusammen. Die ethnische Vielfalt mag in Deutschland nicht so groß sein wie beispielsweise in den USA. Dennoch solltest du berücksichtigen, dass deine Zielgruppe aus unterschiedlichen Herkunftsländern, Muttersprachen und Kulturen zusammengepuzzelt sein kann. Wenn du international tätig bist, ist dir wahrscheinlich schon bewusst, dass diese Diversity-Dimension für dich von besonderer Bedeutung ist. In Zeiten der Globalisierung reicht es nicht mehr, nur die eigene Nationalität zu berücksichtigen!

Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft & Nationalität richtig ansprechen

Bist du international tätig, setzt du dich ganz selbstverständlich mit verschiedenen Kulturen auseinander. Doch auch im deutschsprachigen Raum treffen verschiedene Nationalitäten und Ethnien aufeinander. Diese Diversität solltest du auch bei der Erstellung deines Contents beachten:

  • Denke andere Kulturen und Nationalitäten als deine eigene beim Schreiben immer mit. Frage dich insbesondere bei Inhalten aus speziell deutscher Perspektive, ob sie allgemeingültig sind oder du sie erklären solltest.
  • Drücke dich einfach und klar aus, sodass dich auch Menschen verstehen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen oder gerade erst lernen.
  • Beachte die kulturelle Vielfalt auch bei der Wahl deiner Bilder. Sehen die darauf abgebildeten Menschen alle gleich aus oder haben sie zum Beispiel verschiedene Hautfarben oder Kleidungsstile?

5. Religion & Weltanschauung

Die Religion oder Weltanschauung einer Person hängt oftmals mit deren Herkunft und Kultur zusammen – aber nicht immer. Zu den allgemein bekannten, monotheistischen Weltreligionen gehören das Christentum, das Judentum und der Islam. Sie haben alle ähnliche Wurzeln und viele Personen kommen in den Heiligen Schriften aller drei Religionen vor! Das heißt, es gibt einige Gemeinsamkeiten, auf die du dich fokussieren kannst. Zudem gibt es polytheistische Religionen wie den Buddhismus oder den Hinduismus sowie zahlreiche weniger bekannte.

Über die Hälfte der Deutschen gehören einer der großen christlichen Kirchen an. Ein weiterer großer Teil ist konfessionslos. Nur christliche Feiertage sind auch gesetzliche Feiertage. Dennoch sind rund 107.000 Menschen in Deutschland Mitglied einer jüdischen Gemeinde und der Anteil der muslimischen Menschen liegt bei etwa 5 %.

Meine Tipps für die Diversity-Dimension Religion & Weltanschauung

Unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen sind in fast jeder Zielgruppe vertreten. In Deutschland sind zum Beispiel ausschließlich christliche Feste auch gesetzliche Feiertage. Jüdische, muslimische, buddhistische und andere Festtage rücken da schnell aus dem Bewusstsein, wenn du selbst christlich oder atheistisch geprägt bist. Das kannst du dagegen tun:

  • Informiere dich über verschiedene Religionen und Weltanschauungen, die in deiner Zielgruppe vertreten sein könnten. Du musst nicht alles wissen, aber wenn du die grundlegenden Werte kennst, kannst du offener auf Menschen mit der entsprechenden Haltung zugehen.
  • Vermeide Klischees und Stereotype, wenn du über Religionen und Weltanschauungen sprichst, die nicht deine eigenen sind. Achte besonders darauf, dich nicht versehentlich abwertend zu äußern.
  • Wenn christliche Feiertage wie Weihnachten oder Ostern anstehen und du darüber schreiben möchtest, beachte, dass nicht jede*r diese Feste feiert. Wünschst du deinen Follower*innen gerne viel Spaß bei den Feierlichkeiten, tue dies auch an jüdischen, muslimischen oder buddhistischen Feiertagen.

6. Behinderung

Rund 9,4 % der deutschen Bevölkerung sind schwerbehindert. Behinderungen können körperlich, geistig oder psychisch sein. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz sollen Menschen mit einer Behinderung dieselben Chancen haben wie nichtbehinderte Menschen. Sie haben ein Recht auf Teilhabe. Deshalb ist es wichtig, Online-Inhalte auch blinden oder gehörlosen Menschen und Personen mit einer Lernbehinderung zugänglich zu machen.

Meine Tipps für barrierefreie Texte

Barrierefreiheit beginnt natürlich schon bei der Erstellung der Website. Aber im redaktionellen Alltag kannst du deine Texte schon mit einfachen Mitteln barrierefreier gestalten:

  • Gib deinem Text eine normale HTML-Struktur. Die Hauptüberschrift ist eine H1, Zwischenüberschriften sind H2 und können weiter unterteilt werden durch H3- oder H4-Überschriften. Überspringe nicht einfach eine Überschriftenebene, nur weil es vielleicht netter aussieht. Und verwende keine lediglich fettgedruckten Zeilen als Überschriften. Menschen, die deine Inhalte zum Beispiel mit einem Screenreader konsumieren, können dann einen Text mithilfe der Überschriften scannen und überfliegen – so wie das Sehende mit ihren Augen machen.
  • Verwende Alternativtexte für deine Bilder und Grafiken. So können Menschen mit Sehbehinderung diese erfassen. Außerdem sind Alternativtexte für die Suchmaschinenoptimierung wichtig – Google kann nämlich auch nicht „sehen“, sondern nur Texte erfassen.
  • Schreibe einfach und verständlich. Vermeide Fremdwörter und Fachbegriffe oder erkläre sie. Du kannst zum Beispiel ein Glossar verwenden.

Die 6 Diversity-Dimensionen

Warum du alle Diversity-Dimensionen berücksichtigen solltest

Die 6 Diversity-Dimensionen überschneiden sich in der Praxis natürlich häufig. Das hast du beim Lesen vielleicht schon gemerkt. Der Fachbegriff dafür ist Intersektionalität. Zum Beispiel treten Behinderungen oft erst im Alter auf. Auch beim Geschlecht und der sexuellen Orientierung gibt es Überschneidungen, auch wenn man beides nicht gleichsetzen darf. Zu deiner Zielgruppe könnte eine schwarze lesbische Frau gehören oder ein schwuler Mann mit Behinderung oder auch eine muslimische bisexuelle Frau, die aus den USA eingewandert ist.

Die Diversity-Dimensionen bieten ein System, mit dem Vielfalt kategorisiert und angewendet werden kann. Aber du solltest sie nie einzeln und voneinander losgelöst betrachten. Diversity ist ein ganzheitliches Konzept, das seine volle Wirkung erst entfaltet, wenn alle Dimensionen umgesetzt werden. Aber natürlich kannst du zunächst mit einer Dimension anfangen und dich langsam vorarbeiten. Meine Tipps oder auch ein Diversity Check für deine Texte können dir den Einstieg erleichtern.

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