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5 Situationen, in denen Gendern Unsinn ist

5 Fälle, in denen Gendern Unsinn ist

In letzter Zeit sind mir einige wirklich hanebüchene Varianten „geschlechtergerechter Sprache“ aufgefallen. Einfach zum Haareraufen! Das können wir nicht auf uns sitzen lassen, werte Leser (und INNEN, hahaha). Ja, ich bin überzeugt davon, dass wir etwas gegen den Genderwahn tun können und müssen! Und zwar, indem wir uns gegen das Genderdiktat wehren! In diesem Artikel erläutere ich beispielhaft einige Situationen, in denen es blanker Unfug ist, zu gendern.

1. Geschlechtsneutrale Begriffe gendern

Natürlich ist es wenig sinnvoll, Wörter zu gendern, die an sich schon geschlechtsneutral sind. Dennoch begegnen mir in vielen Texten „Mitglieder:innen“ oder „Mensch:innen“. Das liegt vielleicht daran, dass es nicht immer am grammatischen Geschlecht (männlich, weiblich oder sächlich) festzumachen ist, ob einem Wort ein bestimmtes Geschlecht eingeschrieben ist. So ist „der Mensch“ grammatikalisch gesehen zwar männlich. Das Wort bezeichnet aber sowohl Männer als auch Frauen und Nichtbinäre.

Wörter wie diese zu gendern, ist also Unsinn:

  • der Mensch (grammatikalisch männlich, gilt aber für alle)
  • die Person (grammatikalisch weiblich, gilt aber wie „Mensch“ für alle Menschen)
  • das Mitglied (sächlich, gilt für alle)
  • die Leute (existiert nur als Pluralform, gilt für alle)
  • -kraft (z. B. Lehrkraft, Hilfskraft, Reinigungskraft, Fachkraft; grammatikalisch weiblich, gilt aber für alle)
  • -hilfe (z. B. Aushilfe, Haushaltshilfe; grammatikalisch weiblich, gilt aber für alle)

Nicht geschlechtsneutral sind dagegen Begriffe wie diese:

  • der Gast: Häufig wird das Gendern dieses Wortes kritisiert – das Wort „Gästin“ steht aber auch im Duden.
  • das Mädchen: Obwohl grammatikalisch sächlich bezeichnet dieses Wort ausschließlich weibliche Kinder. Als neutrale Alternative kannst du einfach das Wort Kind benutzen.
  • der Helfer: Anders als die Aushilfe ist der Aushelfer spezifisch männlich. Wenn das Geschlecht der Aushilfen unbekannt ist, ist es sinnvoll, z. B. mit „Helfer:innen“ zu gendern.

2. Abstrakte zusammengesetzte Wörter gendern

Müsste es im Sinne einer gendergerechten Sprache nicht „Bürger:innenmeister:in“ heißen? Da scheiden sich die Geister. Einerseits wären solche Formulierungen nur konsequent – sollen doch im allgemeinen Sprachgebrauch immer alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen werden. Doch ein guter Lesefluss ist auch wichtig, damit Lesende einen Text verstehen können.

Eine Möglichkeit wäre, lange Wörter mit einem Bindestrich zu trennen: Bürger:innen-Meister:in. Ein anderes Vorgehen orientiert sich daran, ob ein zusammengesetztes Wort sich eher auf eine Sache oder auf eine Person bezieht. Bei sachbezogenen Begriffen wird dann nicht gegendert:

  • Bürgersteig
  • Arztbescheinigung
  • Lehrerzimmer
  • Einwohnermeldeamt
  • Chirurgenstahl
  • Fahrerkabine

Eher personenbezogene Begriffe solltest du dagegen lieber gendern oder durch neutrale Begriffe ersetzen:

  • Nutzerfreundlich (besser: nutzungsfreundlich)
  • Benutzerhandbuch (besser: Handbuch für Benutzer:innen oder Benutzungshandbuch)
  • Arztbesuch (besser: Besuch der ärztlichen Sprechstunde)
  • Anfängerkurs (besser: Kurs für Anfänger:innen oder Einstiegskurs)
  • Ausstellerliste (besser: Ausstellungsliste)

Natürlich kannst du auch für sachbezogene zusammengesetzte Wörter neutrale Alternativen wählen – z. B. Gehsteig, ärztliche Bescheinigung, Lehrendenzimmer oder Chirurgiestahl. Im Genderwörterbuch findest du zu vielen Wörtern passende geschlechtsneutrale Formulierungen.

3. Verben gendern

Vielleicht ist es dir noch nie aufgefallen. Aber auch in manchen Verben verstecken sich zuweilen Wörtchen, die nicht geschlechtsneutral sind. Die Frage ist: Denken wir bei „verarzten“ eher das Verbinden eines verletzten Arms oder an einen männlichen Arzt, der unsere Wunde versorgt? Und ist „verärzt:innen“ eine lesefreundliche Alternative?

Einige wenige Menschen gendern konsequent auch bei Verben. Andere empfinden bei diesen Worten Gendern als Unsinn:

  • verarzten
  • bemuttern
  • schriftstellern
  • bewirten
  • gärtnern

Selbstverständlich kannst du in diesem Fall wieder nach geschlechtsneutralen Alternativen suchen:

  • eine Verletzung versorgen
  • fürsorglich behandeln
  • schreiben
  • für das leibliche Wohl sorgen
  • den Garten bepflanzen

4. Adjektive gendern

Auch unter den Adjektiven, die wir im Alltag ganz natürlich benutzen, sind einige bei näherem Hinsehen nicht geschlechtsneutral. Manchen ist das kaum anzumerken, andere sind recht eindeutig einem bestimmten Geschlecht zugeschrieben. Bei folgenden Wörtern ist es eher unüblich, sie zu gendern:

  • freundlich
  • ärztlich
  • juristisch
  • künstlerisch
  • gastlich

Anders sieht es aus, wenn Adjektive das Wort „Mann“ enthalten oder sich auf Personen beziehen:

  • fachmännisch (besser: fachkundig)
  • unbemannt (besser: ohne Besatzung)
  • kaufmännisch (besser: kauftechnisch, wirtschaftlich, geschäftlich)
  • kundenorientiert (besser: an den Bedürfnissen der Kund:innen orientiert)

5. Gendern in Leichter Sprache

Diese Situation unterscheidet sich von den anderen, weil sie sich nicht auf die Standardsprache, sondern auf die Leichte Sprache bezieht. Das ist eine stark vereinfachte Form der deutschen Sprache, die eigenen Regeln folgt. Sie macht Texte auch Menschen mit geistiger oder Lernbehinderung, Leseanfänger:innen oder Nichtmuttersprachler:innen zugänglich.

In Leichter Sprache haben Einfachheit und Verständlichkeit höchste Priorität. Viele Arten zu gendern erfüllen diesen Anspruch nicht. Deshalb wird in Leichter Sprache und in der weniger stark vereinfachten Einfachen Sprache häufig gar nicht gegendert. Manchmal nutzen Schreibende aber auch die Paarform – z. B. bei der direkten Anrede „Liebe Leserinnen und Leser“. Alle anderen Varianten solltest du in Leichter oder Einfacher Sprache vermeiden. Im Zweifel kann dir ein:e Texter:in oder Übersetzer:in für Leichte Sprache weiterhelfen.

Gendern: Unsinn oder doch eine Überlegung wert?

Wenn du mich vor diesem Artikel noch nicht kanntest, ist dir inzwischen wahrscheinlich aufgefallen, dass ich dich am Anfang ein bisschen veralbert habe. Ich bin nicht gegen den Genderwahn, sondern Expertin für geschlechtergerechte Sprache und Vielfalt wertschätzende Kommunikation.

Wie du gesehen hast: In manchen Fällen ist Gendern Unsinn. Häufig aber ist es sinnvoll, nicht nur das generische Maskulinum zu verwenden, sondern auch Frauen und alle anderen Geschlechter anzusprechen. Studien zeigen nämlich, dass die männliche Form eher mit Männern assoziiert und nicht als für alle gültig wahrgenommen wird.

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Im deutschen Sprachraum kursieren viele verschiedene Arten zu gendern. Keine davon ist die einzig richtige. Keine davon möchte ich dir aufzwingen. Wenn du aber mehr übers Gendern erfahren möchtest, dann empfehle ich dir meinen kostenlosen E-Mail-Kurs Richtig gendern: So findest du DEINE geschlechterinklusive Sprache. Ich zeige dir in sechs E-Mails:

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  • welche Arten zu gendern möglich sind,
  • wie du die Variante findest, die am besten zu dir und deiner Zielgruppe passt,
  • wie du in der Praxis richtig genderst,
  • was du beim Gendern für die Suchmaschinenoptimierung beachten solltest,
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Wusstest du schon, dass es manchmal gar nicht angebracht ist zu gendern? Oder fallen dir vielleicht noch weitere Situationen ein, in denen Gendern Unsinn ist? Dann schreibe jetzt gerne einen Kommentar dazu!

4 comments 5 Situationen, in denen Gendern Unsinn ist

  1. Seit Ende der 80er Jahre werden die meisten Texte an Computern erstellt, und da sind es 2 Klicks einen Teil des Wortes kursiv zu formatieren. Wenn z.B. bei Politikerinnen die letzten 5 Buchstaben kursiv sind, finde ich das lesefreundlicher als die Versionen mit dem Großbuchstaben, Sternen oder Unterstrichen mitten im Wort.

    1. Das ist wirklich eine spannende Idee, dass da noch keine:r drauf gekommen ist … Danke dafür! Ein Kritikpunkt könnte wahrscheinlich derselbe sein wie bei der Klammerlösung – Leser(innen) z. B. – dass ein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht wird. Wobei hier ja keine Hierarchisierung vorgenommen würde. Aber es würden nur zwei Geschlechter angesprochen werden, keine nichtbinären Menschen. Trotzdem kann es je nach Kontext sicher für den einen oder die andere eine gute Lösung sein. 🙂

      Liebe Grüße,
      Lucia

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