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Untertitel erstellen: So funktioniert’s

Text auf hellblauer Bauchbinde: Untertitel erstellen: So funktioniert's. Hintergrundbild: Ein aufgeklappter Laptop mit geöffnetem Schnittprogramm. Die Hand einer Person liegt auf der Tastatur. Neben dem Laptop steht eine Kaffeetasse, im Hintergrund ist aus dem Fenster eine Wiese zu sehen.

Vielleicht bist du schon einmal über meinen Artikel mit fünf Gründen für Untertitel gestolpert. Nun fragst du dich: Wie genau kann ich denn nun gute Untertitel erstellen? Worauf muss ich achten? Wie funktioniert das Einfügen in Videos technisch? Und muss ich wirklich jedes „Ähm“ mit aufschreiben? In diesem Artikel gebe ich dir einen Überblick zum Thema Untertitel und zeige dir einfache Strategien, die du in deinen Alltag als Content-Ersteller*in problemlos integrieren kannst.

Closed Captions vs. Open Captions

Wenn du bei deinem bevorzugten Video-Streaming-Anbieter schon einmal die Untertitel eingeschaltet hast, zum Beispiel um einen Film in Originalsprache zu schauen, ist dir vielleicht die Abkürzung „CC“ aufgefallen. Sie steht für „Closed Captions“. Das bedeutet, die Untertitel zum entsprechenden Video kannst du flexibel und ganz nach Bedarf an- und ausschalten. Dem gegenüber stehen Open Captions. Dabei handelt es sich um Untertitel, die fest mit dem Video verbunden sind. Sie werden in der Regel schon im Filmschnittprogramm eingefügt und lassen sich nicht mehr entfernen.

Was ist nun besser? Bei Closed Captions ist es den Nutzer*innen überlassen, ob sie die Untertitel nutzen wollen oder nicht. Außerdem hast du die Möglichkeit, Untertitel in mehreren Sprachen für dasselbe Video anzugeben. Sie lassen sich meist leicht einfügen und nachträglich bearbeiten. Bei YouTube zum Beispiel ist es den Zuschauer*innen auch möglich, Größe, Schriftfarbe und Hintergrund individuell einzustellen.

Nun ist es aber so, dass viele Social-Media-Plattformen wie Instagram oder TikTok keine (bearbeitbare) Closed-Captions-Funktion haben. Du hast also nicht die Wahl und musst auf Open Captions zurückgreifen. Sie sind immer zu sehen und können von den Nutzer*innen nicht angepasst werden. Dafür bist du in der Gestaltung frei und unabhängig von den Möglichkeiten der Plattform. Das Erstellen der Untertitel ist etwas aufwendiger, da du sie nicht nur schreiben, sondern auch richtig platzieren musst. Bei Closed Captions arbeitest du stattdessen mit Timecodes.

Untertitel schreiben – diese Richtlinien gelten

Um das Gesagte aus deinem Video in Untertitel umzuwandeln, musst du es transkribieren. Das kannst du Bild für Bild und Satz für Satz machen (zum Beispiel bei kurzen, spontanen Videos für Instagram-Storys oder Ähnliches). Oder du schreibst den Text zunächst als Ganzes auf. Das geht zum Beispiel so:

  • Höre dir das Video an und schreibe mit.
  • Nutze eine automatische Transkriptionssoftware und bearbeite den Text nach.
  • Gib eine Transkription in Auftrag – oder gleich die gesamte Erstellung der Untertitel.

Wichtig ist für die Untertitel, dass du auch Geräusche und Musik mit beschreibst. Geräusche werden zwischen zwei Sternchen geschrieben – zum Beispiel: *Katze miaut*. Bei einem bekannten Musiktitel schreibst du Titel und ggf. Interpret*in zwischen zwei Sternchen. Handelt es sich lediglich um Hintergrundmusik, lautet der Untertitel beispielsweise: *ruhige Musik* oder *dramatische Musik*. Bei gesungener Musik schreibst du auch den Liedtext auf. Er wird zwischen zwei kleine Notensymbole gesetzt: ♪ Alle meine Entchen schwimmen auf dem See, schwimmen auf dem See. ♪

Grundsätzlich gilt für das Erstellen von Untertiteln: Schreibe möglichst genau alles auf, was gesagt wird. Dazu gehört auch ein gelegentliches „Ähm“, das nichthörenden Menschen deutlich macht, dass die sprechende Person gerade kurz innehält und nachdenkt. Allerdings geht Verständlichkeit vor. Ist also jedes zweite Wort „Äh…“, dann darfst du das Gesagte verkürzen. Auch lange, schwer nachvollziehbare Schachtelsätze kannst du vereinfachen. Dialekte und sonstige charakteristische Eigenheiten in der Sprache solltest du aber beibehalten. Schreibe auch Schimpfwörter aus, um das Gesagte authentisch wiederzugeben – es sei denn, du piepst sie auch im Ton aus.


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Die Technik dahinter: Schnell und einfach Untertitel erstellen

Ist dein Transkript fertig, fügst du die Untertitel nun deinem Video hinzu. Profis nutzen dazu spezielle Untertitel-Software. Aber auch ohne besondere Expertise kannst du Untertitel für deine Videos erstellen. Beachte dabei:

  • Deine Untertitel sollten aus maximal zwei Zeilen bestehen – in Ausnahmefällen sind drei oder mehr Zeilen möglich, zum Beispiel im Hochformat bei Storys und Instagram-Videos.
  • Positioniere die Untertitel als zentrierten Textblock am unteren Bildrand. Kommen dort im Video andere Texteinblendungen vor, wird der Untertitel vorübergehend nach oben geschoben.
  • Wähle eine gut lesbare Schrift ohne Serifen oder Schnörkel in ausreichender Größe.
  • Pro Zeile sollte der Untertitel maximal 37 Zeichen enthalten. Die Standzeit richtet sich nach der Länge und muss mindestens eine Sekunde betragen. Als Richtwert gilt eine Standzeit von durchschnittlich sieben Sekunden.

Nun aber zur Technik: Folgende Tipps richten sich an alle, die keine oder wenig Erfahrung mit Untertiteln und/oder Videoschnitt haben.

Untertitel für Videos erstellen mit Schnittprogrammen

Die meisten Schnittprogramme (auch kostenlose) bieten die Möglichkeit, Open Captions einzufügen. Im Menü deines Videoeditors findest du eine Textfunktion, mit der du direkt auf das Bild schreiben kannst. Bei professionellen Programmen wie Adobe Premiere Pro kannst du auch Closed Captions erstellen. Schau dir dazu am besten ein Video-Tutorial für das Programm an, das du nutzt. Closed Captions kannst du als .srt-Datei exportieren und anschließend auf der Videoplattform hochladen, bei der du dein Video veröffentlichen möchtest.

Tipp: Bei YouTube hast du auch die Möglichkeit, einfach nur das Transkript deines Videos hochzuladen. Es wird dann automatisch mit dem Video synchronisiert und als Untertitel ausgegeben.

Untertitel automatisch erstellen: Programme online und offline

Mittlerweile gibt es verschiedene Apps und Programme, mit denen du Untertitel automatisch erstellen lassen kannst. Wenn du ein Video bei YouTube hochlädst, kannst du die automatisch generierten Untertitel nachträglich bearbeiten. Genauso funktioniert es bei Facebook. Die Untertitel für Instagram-Videos (IGTV) kannst du bisher leider nicht bearbeiten.

Am Smartphone lassen sich automatische Untertitel mit Apps wie Clipomatic fürs iPhone oder AutoCap für Android erstellen. Du kannst sie nachträglich bearbeiten und in verschiedenen Designs gestalten. Für den Desktop gibt es ebenfalls verschiedene Webanwendungen zur automatischen Untertitelung, die ich bisher aber noch nicht getestet habe. Schreib deine Empfehlungen gerne in die Kommentare!

Untertitel erstellen lassen

Wenn du keine Zeit oder Lust hast, Untertitel selbst zu erstellen, kannst du natürlich auch eine*n Expert*in beauftragen. Das ist die einfachste, aber auch teuerste Variante. Dein Vorteil: Du brauchst dich um nichts zu kümmern und musst lediglich dein Video einreichen. Dafür erhältst du perfekte Untertitel. Die meisten Dienstleister*innen rechnen pro Minute ab. Auf der Website des Projektes BIK für Alle findest du eine Liste auf Untertitel spezialisierter Expert*innen.

 

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Ein Beitrag geteilt von Lucia Clara Rocktäschel (@diversity_texterin)

Untertitel für Social Media

In den sozialen Medien ist das Erstellen von Untertiteln oft eine besondere Herausforderung, da entsprechende Funktionen nur eingeschränkt verfügbar sind. Doch gerade kurze Instagram-Storys, TikToks oder Reels schauen viele Nutzer*innen unterwegs, im Wartezimmer oder während der Mittagspause im Büro. Sie müssen also sowohl Menschen mit Hörbehinderung als auch Ohne-Ton-Zuschauenden zugänglich gemacht werden. So funktioniert es je nach Medium:

  • YouTube: Du hast die Möglichkeit, automatisch generierte Untertitel zu überarbeiten oder eigene Untertitel direkt bei YouTube zu erstellen. Außerdem kannst du eine .srt-Datei hochladen oder ein Transkript automatisch mit dem Video synchronisieren lassen.
  • Facebook: Du kannst automatische Untertitel erstellen lassen und bearbeiten oder eine .srt-Datei mit Closed Captions hochladen – auch in mehreren Sprachen.
  • Instagram: Bei IGTV-Videos kannst du automatische Untertitel aktivieren, die sich aber nicht bearbeiten lassen. Für Feed-Videos, Storys oder Reels musst du Open Captions verwenden. Diese kannst du beispielsweise mit einer automatischen Untertitel-App generieren.
  • TikTok: Du kannst automatische Untertitel aktivieren und bearbeiten oder Open Captions verwenden.

Nun weißt du, wie du deinen Video-Content in jeder Lebenslage mit Untertiteln versehen kannst. Mehr Tipps für inklusive Contentgestaltung findest du in meiner Blogkategorie Barrierefreiheit. Hast du noch Fragen, Anregungen oder Tipps zum Thema „Untertitel erstellen“? Dann schreib sie in die Kommentare!

Quellen und Weiterlesen:

Untertitelrichtlinien der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender:
https://www.daserste.de/specials/service/untertitel-standards100.html

Untertitelrichtlinien für den deutschen Sprachraum:
www.untertitelrichtlinien.de

Einfach erklärte Tipps zu Barrierefreiheit in Social Media:
https://barrierefreiposten.de/wissen.html

 

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