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Die Konversionstherapie ist verboten – meine sexuelle Orientierung ist keine Krankheit

Konversionstherapie: Eine Therapeutin wollte mich hetero machen

Heute ist der 17. Mai – Internationaler Tag gegen Homophobie, Bi-, Inter- und Transphobie. Er erinnert an den 17. Mai 1990, als die WHO beschloss, Homosexualität offiziell von der Liste der psychischen Erkrankungen zu streichen. Vor etwas über einer Woche wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: Zumindest bei Minderjährigen wird die sogenannte Konversionstherapie nun verboten. Was das ist? Eine fragwürdige Therapiemethode, die homosexuelle Menschen hetero machen soll. In diesem Artikel erfährst du mehr darüber und ich erzähle dir von meinen eigenen Erfahrungen. Falls du selbst hetero bist, verstehst du so vielleicht ein bisschen besser, warum die LGBTQ+-Community „immer noch“ gegen Diskriminierung kämpft.

Eine Therapeutin wollte mich heterosexuell machen

Jep. Mir wurde so etwas wie eine Konversionstherapie schonmal angeboten. Vor einigen Jahren begab ich mich auf die langwierige Suche nach einer Psychotherapeutin. Wer schonmal in einer Großstadt auf einen Therapieplatz gewartet hat, weiß, wovon ich spreche. Nach mehreren Geht-gar-nicht-Erfahrungen kam ich schließlich zu einer Therapeutin, die mir erstmal ganz vernünftig erschien. Vielleicht war ich aber auch einfach verzweifelt…

Es waren schon einige Stunden vergangen, aber ich glaube, wir waren noch bei den Probesitzungen. Jedenfalls erzählte ich am Rande vorsichtig und noch sehr zurückhaltend von der Frau, in die ich zu diesem Zeitpunkt unglücklich verliebt war. Ihre Äußerungen zu dem Thema waren zunächst subtil, irgendwann aber begannen sie mich zu irritieren. Schließlich sagte mir diese Therapeutin, dass sie mir dabei helfen könne, mich in einen Mann zu verlieben und eine Familie zu gründen – eben ein glückliches Leben zu führen. Dazu konnte ich in dem Moment gar nichts sagen. Erst in der nächsten Sitzung teilte ich ihr mit, dass ich die Therapie nicht weiterführen wollte, und suchte das Weite.

Ich war damals 19 Jahre alt. Wenige Jahre zuvor hätte ich vielleicht nicht so konsequent gehandelt. Lange Zeit habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als „normal“ zu sein. Ich hatte einfach keine Lust mehr nach allem, was ich in Schule und sonstigem Umfeld erlebt hatte. Deshalb habe ich wirklich versucht, heterosexuell zu leben. Aber Liebe lässt sich nicht heilen. Dass ich damals so hoffnungslos verknallt war und das endlich begriffen hatte, hat mich vermutlich gerettet…


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Was das Verbot von Konversionstherapien bringt

Wie gesagt gilt Homosexualität nun schon seit 30 Jahren nicht mehr als Krankheit. Und wo keine Krankheit ist, da bedarf es auch keiner Heilung, sind entsprechende Methoden also mindestens sehr fragwürdig. Die Unterdrückung der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität ist keineswegs gesund. Sie erzeugt oft großen Leidensdruck. Nicht ohne Grund haben LGBTQ+-Jugendliche ein erhöhtes Suizidrisiko.

Am 7. Mai 2020 wurde nun beschlossen, dass die Konversationstherapie verboten wird – zumindest teilweise. Das heißt:

  • Umerziehungstherapien sind bei Minderjährigen generell verboten.
  • Erwachsene müssen die Therapie selbst wollen, dürfen also nicht gezwungen oder getäuscht werden.
  • Das Bewerben, Vermitteln oder Anbieten von Konversationstherapien ist verboten.
  • Wer eine solche Therapie an Minderjährigen durchführt, kann eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr Alle anderen Verstöße können ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro nach sich ziehen.

Das Verbot der Konversionstherapie soll übrigens nicht nur Therapeut:innen betreffen, sondern beispielsweise auch Eltern, die ihre Kinder zur Umerziehung zwingen wollen. Es gilt also im geschäftlichen, aber auch im privaten Rahmen.

Lucia schaut mit nachdenklichem, erinnerndem Gesichtsausdruck über die Kamera hinweg.
Ich konnte Nein zur Konversionstherapie sagen. Andere schaffen das nicht. Deshalb ist das Verbot sinnvoll. | Foto: Anna Vorbach

Was du mit deinem Unternehmen für LGBTQ+-Personen tun kannst

Ist ja krass, aber was hat das Verbot von Konversionstherapien mit mir zu tun, fragst du dich? Nicht nur am Internationalen Tag gegen Homophobie oder im Pride-Month, sondern das ganze Jahr über kannst DU deinen LGBTQ+-Kund:innen und -Mitarbeiter:innen deine Wertschätzung zeigen. Und so dazu beitragen, dass die 43 % der LGBTI-Menschen in Deutschland, die ihre Identität nicht offen leben, weniger werden. Ganz nebenbei erweiterst du dadurch auch deine Zielgruppe… 😉

Komm gerne auf mich zu, wenn du deine Kommunikation mit Vielfalt wertschätzenden Texten auf ein neues Level heben willst! Aber hier sind schonmal ein paar allgemeine Tipps:

  • Mache LGBTQ+-Personen nicht unsichtbar. Wähle vielfältige Darstellungen, in denen auch mal ein homosexuelles Paar vorkommt.
  • Beziehe die LGBTQ+-Zielgruppe aktiv in deine Kommunikation ein. Sprich sie also inklusiv mit an. Vielleicht sucht deine Kundin ja nicht für ihren Mann, sondern für ihre Frau ein passendes Valentinstagsgeschenk?
  • Nutze geschlechterinklusive Sprache, denn so fühlt jede:r sich gemeint. Wie du richtig genderst, lernst du zum Beispiel in meinem kostenlosen E-Mail-Kurs.
  • Schaffe ein wertschätzendes Umfeld für deine LGBTQ+-Mitarbeiter:innen, in dem sie sich ohne Angst outen können.
  • Lasse dein Personal an einem Anti-Diskriminierungs- oder Diversity-Training
  • Du planst eine Spendenaktion? Wie wäre es, wenn du diesmal eine LGBTQ+-Organisation unterstützt?

Da ist bestimmt etwas für dich dabei, oder? Ich hoffe, dass du aus diesem schwierigen Thema auch etwas Motivation mitnehmen kannst! Für mich als Diversity-Texterin ist meine persönliche Erfahrung auf jeden Fall ein großer Antrieb – ein Teil meines WARUMs. Schreib mir doch mal in die Kommentare, was du darüber denkst. 💙

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